DIE KÄNGURUS
die hüpfenden Grenzgänger

Vor Ihnen steht kein gewöhnlicher Beutelsprinter, sondern ein elastisches Fragezeichen auf zwei Beinen, das sich seit jeher weigert, die Welt in geraden Linien zu betreten.
Die turisedische Überlieferung berichtet, das Känguru sei einst als „Gegengewicht zur Schwerkraft“ eingeführt worden, nachdem ein Hofgelehrter aus Versehen die Gravitation zu ernst genommen hatte. Seitdem sorgt dieses Tier mit seinem federnden Wesen dafür, dass die Realität gelegentlich kurz den Boden verliert. Sein Beutel, so heißt es, sei kein bloßes Fach für Nachwuchs, sondern ein tragbares Archiv: Darin lagere es Erinnerungen, Brotkrumen, und die kleinen Notizen, die man sich selbst nie zu schreiben wagt.
Alte Aufzeichnungen erwähnen eine Zeremonie namens „Der Erste Sprung“, bei der Anwärter der turisedischen Bewegungslehre versuchten, gleichzeitig mutig und würdevoll auszusehen. Das Känguru gilt als strenger Meister dieser Disziplin: Es lehrt, dass Fortschritt nicht immer Schritt für Schritt geschieht, sondern manchmal in einem einzigen Satz über die eigenen Zweifel hinweg.
Wer es beobachtet, erkennt schnell: Es steht selten still, aber oft im Recht. Und wenn es doch einmal innehält, dann nur, um Ihnen zu zeigen, wie man mit hoch erhobenem Haupt so tut, als sei man nie aus dem Takt geraten.